Demografischer Wandel in Moers

Unter dem Stichwort demografischer Wandel werden zwei Entwicklungen verstanden:

a) die abnehmende Bevölkerungszahl und
b) eine deutliche Verschiebung in der Altersstruktur, hin zu mehr Älteren.

Die Gründe liegen in den niedrigen Geburtenzahlen und der zunehmenden Lebenserwartung.

Wir werden weniger

Abbildung 1 enthält die bisherige Bevölkerungsentwicklung der Jahre 1975 bis 2015 und die erwartete Entwicklung bis 2039. Die einzelnen Städte haben unterschiedliche Ausgangslagen. Während die Städte Rheinberg und Neukirchen-Vluyn im überwiegenden Betrachtungszeitraum stark gewachsen sind, wiesen die übrigen Kommunen bis Mitte der 80er Jahre einen Bevölkerungsverlust auf. Danach profitierten alle Kommunen bis Mitte der 90er von einer Zuzugswelle. Seit dem verlieren Duisburg, Krefeld und Kamp-Lintfort Einwohner. Insbesondere die Verluste in Duisburg und Krefeld, die größten Nachbarkommunen von Moers, zu denen intensive Pendlerverflechtungen bestehen, werden auch an Moers nicht spurlos vorübergegangen sein. In Rheinberg, Neukirchen-Vluyn und Moers setzte der Einwohnerverlust etwa um 2005 und hält bis heute an – unterbrochen von der ab 2015 deutlich erkennbaren Flüchtlingswelle.

Diese besondere Situation ist in der auf Basis von 2014er Zahlen erstellten Modellrechnung noch nicht berücksichtigt, wird sich aber voraussichtlich auch nicht auf den allgemeinen Trend auswirken. Für die Zukunft gehtIT.NRW für alle Kommunen, als Folge des demografischen Wandels, von weiter sinkenden Einwohnerzahlen aus.

Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung in Moers und den Nachbarkommunen

Statistik über den demografischen Wandel

Stadt197520002015202020302039
Duisburg591.639514.915491.231483.418473.593462.988
Krefeld228.563239.916225.144222.816220.609216.714
Kamp-Lintfort38.64039.98237.68335.71633.81531.751
Moers101.512107.062104.529101.17998.13394.458
Neukirchen-Vluyn24.12428.52527.17826.24625.32124.252
Rheinberg25.63131.19331.02330.26429.74129.033
Veränderung absolut
      
Stadt197520002015202020302039
Duisburg100.40823.6840- 7.813- 17.638- 28.243
Krefeld3.41914.7720- 2.328- 4.535- 8.430
Kamp-Lintfort9572.2990- 1.937- 3.868- 5.932
Moers- 3.0172.5330- 3.350- 6.396- 10.071
Neukirchen-Vluyn- 3.0541.3470- 932- 1.857- 2.926
Rheinberg- 5.3921700- 759- 1.282- 1.990
Veränderung absolut
      
Stadt197520002015202020302039
Duisburg20,44,80,0- 1,6- 3,6- 5,7
Krefeld1,56,60,0- 1,0- 2,0- 3,7
Kamp-Lintfort2,56,10,0- 5,1- 10,3- 15,7
Moers- 2,92,40,0- 3,2- 6,1- 9,6
Neukirchen-Vluyn- 11,25,00,0- 3,4- 6,8- 10,8
Rheinberg- 17,40,50,0- 2,4- 4,1- 6,4

Quelle: IT.NRW; eigene Berechnung und Darstellung.

Notiz:
Die Analyse basiert auf den amtlichen Einwohnerzahlen und den Angaben aus der Gemeindemodellrechnung 2014 bis 2040 des Statistischen Landesamtes IT.NRW. Die amtliche Einwohnerzahl des IT.NRW ist vergleichbar mit der "Bevölkerung am Hauptwohnsitz" aus dem städtischen Einwohnermelderegister. Aufgrund der unterschiedlichen Größenverhältnisse (Duisburg hat 491.231 und Neukirchen-Vluyn hat 27.178 Einwohner/-innen) ist die prozentuale Entwicklung dargestellt. Basisjahr ist 2015 (100 %), von dem aus die Entwicklung zurückverfolgt oder fortgeschrieben wird.

In Moers wird die aktuelle Bevölkerungszahl von 104.529 bis 2020 um 3.350 (-3,2 %) und bis 2030 um 6.396 (-6,1 %) fallen. Noch stärkere Verluste weisen Kamp-Lintfort (-10,3 %) und Neukirchen-Vluyn (-6,8 %) auf, während Krefeld bis 2030 nur -2,0 % seiner Bevölkerung verlieren wird.

Bei der Modellrechnung des IT.NRW ist die in 2015 einsetzende Flüchtlingswelle noch nicht berücksichtigt. Verlor Moers in den letzten Jahren jährlich gut 400 Menschen, ist Moers in 2015 plötzlich um 1.606 Menschen angewachsen. Insofern ist es spannend zu beobachten, ob die Zugezogenen in Moers verbleiben werden und wie viele Menschen vielleicht noch zuziehen werden.

Wir werden älter

Die Bevölkerung wird nicht nur weniger, sondern verändert sich auch im Altersaufbau. Gab es 1975 noch 25,7 % Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis unter 18 Jahren, sind es 2015 nur noch 15,3 % und in 2030 werden es 15,0 % sein. Dagegen wächst die Zahl der Älteren deutlich an. Die aktiven Ruheständler im Alter von 65 bis unter 75 Jahren nehmen von 8,5 % in 1975 voraussichtlich auf 15,5 % in 2030 zu. Der Anteil der Hochbetagten beträgt 1975 nur 3,5 % und 2029 voraussichtlich 14,2 %.

Abbildung 2: Veränderungen im Altersaufbau der Moerser Bevölkerung

Statistik über die Veränderung des Alteraufbaus.

Altersgruppen19751980199020002015202020302039
0 - 17 Jahre26.06722.14218.80019.24116.02815.11314.66813.445
18 - 44 Jahre38.97838.59441.97738.99531.64529.60927.90425.502
45 - 64 Jahre24.23125.74929.11329.21933.26731.16325.83825.083
65 - 74 Jahre8.6518.7488.56912.02911.16312.70115.51413.298
75 Jahre und älter3.5854.6896.1367.57812.42612.59314.20917.130
Gesamt101.51299.922104.595107.062104.529101.17998.13394.458

Quelle: IT.NRW; eigene Berechnungen.

Weitere Folgen des demografischen Wandels:

  • Wir werden bunter
    Durch Zuzug aus dem Ausland und die zurzeit noch etwas höheren Geburtenraten nimmt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund zu. Die Geburtenziffer pendelt seit 1991 in Deutschland bei deutschen Frauen um die 1,3 „Kinder pro Frau“. Etwa seit dem Jahr 2010 stieg die Geburtenziffer auf 1,4 und seit 2014 liegt sie bei gut 1,5. Bei ausländischen Frauen ist die Geburtenziffer von 2,0 Anfang der 90er Jahre bis 2010 auf 1,6 gesunken (vgl. Statistisches Bundesamt, Geburten in Deutschland, 2012). Hier findet eine deutliche Annäherung statt.
  • Haushaltsgröße sinkt und Wohnungsnachfrage konstant
    Einerseits sinkt die Bevölkerungszahl, andererseits – aufgrund des steigenden Lebensalters - leben immer Menschen in Ein- und Zweipersonenhaushalten. Liegt die durchschnittliche Haushaltsgröße 1970 in Westdeutschland noch bei 2,74, ist sie 2015 schon auf 2,00 gesunken und wird bis 2035 weiter auf 1,90 sinken (vgl. Statistisches Bundesamt). Das heißt, die Zahl der wohnungsnachfragenden Privathaushalte wird sogar leicht steigen. Dabei wird sich die Qualität des nachgefragten Wohnraums ändern. Bevorzugt werden kleine, barrierefreie, zentral gelegene Wohnungen.

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