Moerser Meilensteine

Comic mit Hasen als Musketenschützen, mit einer Gans in Blechrüstung mit Hellebarde, einer Schnecker mit Französischer Flagge und einem Schwan in Polizeiuniform

Moerser Geschichte kindgerecht erzählen, das ist das Ziel der „Moerser Meilensteine". So berichtet der Schlosspark-Hase Moritz von Oranien von seinen Abenteuern mit der spanischen Ente Andreas de Miranda, der französischen Schnecke Fréderic Escargot und dem stolzen Fritz von Schwan.

Über Moritz und seine Freunde ist auch ein Buch erschienen, das über das Grafschafter Museum für 14,90 Euro erhältlich ist.

Ritter, Burg, Stadt

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Liebe Kinder, ich bin Moritz von Oranien, der Schlosspark-Hase. Ich wohne mit meiner Familie im Schlosspark. Auch meine Freunde, die Ente Miranda, die Schnecke Fréderic Escargot und Fritz von Schwan wohnen dort. Wir möchten euch ein wenig über die Geschichte der Stadt Moers erzählen:

Bestimmt kennt ihr das Moerser Schloss? Es sah nicht immer so aus wie heute. Am Anfang, das war so um das Jahr 1200, stand dort nur großer, dicker Turm. Erbaut hatten ihn die Herren von Moers.

Diese Turmburg bot ihren Erbauern Sicherheit: den dicken Mauern konnten Wurfgeschosse wie Bliden (große Steinschleudern) nichts anhaben.

100 Jahre später kamen Angreifer mit Geschützen und Schießpulver drin. Da mussten die Herren von Moers, die sich nun Grafen nannten, ihre Burg verstärken: Sie bauten um ihre Turmburg eine starke Mauer. Damit hatten sie eine Ringmauerburg.

Da diese Geschütze und Kanonen immer stärker wurden, bauten die Grafen von Moers im Spätmittelalter eine weitere Mauer um ihre Burg: die Zwingermauer. Sie hatte Schießkammern und Schießscharten. Einen Teil dieser Verteidigungsanlage könnt ihr heute noch im Schlosshof und im Schlossinneren sehen.

Die Kanonen wurden aber noch stärker! Kugeln konnten sogar die beiden Mauern durchschlagen! Da verteidigten die Herren von Moers bereits weit draußen auf der Wiese ihr Schloss. Die alten Verteidigungsmauern wurden nutzlos. Sie dienten jetzt sozusagen als Fundament für neue Gebäude. So bauten sie das Hauptgebäude des heutigen Schlosses.

Auch die Bewohner der mittelalterlichen Stadt Moers schützte eine Mauer: die Stadtmauer. Im Jahr 1300 hatte der König erlaubt, dass sich Moers „Stadt" nennen durfte und kein Dorf mehr war.

Moritz von Oranien befreit Moers

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Andreas de Miranda kam mit den Spaniern nach Moers, die 1586 Stadt und Burg besetzten. Die letzte Moerser Gräfin Walburgis war bereits nach Arnheim im heutigen Holland geflohen.

Ich, Moritz von Oranien, machte es mir zur Aufgabe, diese flatterhaften Gesellen wieder aus Moers zu vertreiben. Mit meinem MG (Möhrchen-Geschoss) setzte ich den Spaniern so sehr zu, dass sie wieder aus Moers abzogen. Nur einer von ihnen war mit seiner Familie in Moers geblieben: die Ente Andreas de Miranda.

Nach elf Jahren spanischer Herrschaft konnten wir Gräfin Walburgis 1598 endlich wieder in Moers willkommen heißen.

Wir freuten uns, dass die Spanier Fersengeld gaben und Gräfin Walburgis zurückkam - aber nicht lange, denn bald darauf starb die alte Gräfin. Wenige Jahre später ereilte die Stadt ein neues Unglück: Ein großes Feuer brach aus. Die eng nebeneinander stehenden Häuser mit ihren Strohdächern wurden ein Raub der Flammen. Die mittelalterliche Altstadt lag in Schutt und Asche. Was sollte ich jetzt tun?

Ich entschied mich für das, was wir Hasen am besten können: Gräben und Wälle bauen. Schloss und Stadt umschloss ich mit einer neuen Festungsanlage, auch neue Häuser bauten wir auf.

Die Befestigungsanlage hatte die Form eines Sternes. Noch heute findest du an vielen Stellen in Moers Teile der alten Gräben und sogar einige Festungsinseln sind im Park zu sehen.

Eier- und Butterdiebe: die Preußen kommen

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100 Jahre lang haben wir Oranier hier in Moers regiert, für Ruhe, Ordnung und Wohlstand gesorgt. Doch dann kamen eines Tages Menschen in Uniformen und mit langen Säbeln, Gewehren und blitzblanken Stiefeln und sagten, die Grafschaft Moers würde nun ihnen gehören.

Miranda und ich fanden das nicht gut, wir stellten uns auf den Wall, warfen mit Hasenkötteln und beschimpften die ankommenden Soldaten als Eier- und Butterdiebe. Nur unser Freund Fritz der Schwan war von den Uniformen der Preußen so begeistert, dass er auch eine haben wollte.

Die Soldaten erklärten uns, dass ihr Anführer, König Friedrich I. von Preußen, mit der Frau, die in grün vor dem Moerser Schloss steht, Kurfürstin Luise Henriette, verwandt sei, und sie deshalb Anspruch auf Moers habe.

Zwar wurde Moers jetzt sogar zum Fürstentum ernannt, doch im Schloss wohnte weder ein Graf noch ein König. Nur ein „Amtmann" tat dort seinen Dienst.

Später zog ein Fabrikbesitzer in das Schloss, Friedrich Wintgens. Da, wo du heute die Rosen blühen siehst, stand damals seine Fabrik, eine Baumwollspinnerei. Nicht nur Erwachsene, auch die Kinder armer Leute arbeiteten dort.

Wenigstens legte er für uns Tiere einen Park an, den Schlosspark.

Das helle und dunkle 20. Jahrhundert

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Bei meinen Grabungsarbeiten hatte ich schwarze Steine entdeckt, die gut brannten. Wir bauten große Anlagen, mit denen wir die Kohle nach oben förderten. Fréderic Escargot verfiel dem Geschwindigkeitsrausch und baute in Moers Eisenbahnlinien. Miranda begeisterte sich für Automobile, mit denen er über die holprigen Straßen zuckelte.

Fritz blieb ganz Anhänger seines großen Königs in Preußen, der sich nun schon „Kaiser" nannte. Doch dieser Kaiser fing mit anderen Königen Streit an, der in einem ganz großen Krieg endete. In allen Ländern auf der Welt, fielen viele viele Schwäne, Hasen, Enten und Schnecken diesem Krieg zum Opfer.

Nur kurze Zeit später, Deutschland hatte nun keinen Kaiser sondern einen „Führer", folgte eine noch viel schlimmere Katastrophe. Alle, die schwarze statt weiße Federn trugen wurden unterdrückt, Millionen wurden vernichtet.
Der „Führer" überfiel mit seinen Soldaten viele Länder. Der furchtbare Zweite Weltkrieg forderte noch viel mehr Opfer als der Erste.

Nach dem Krieg mussten wir alles wieder aufbauen: nicht nur unsere zerstörten Behausungen, sondern auch das Vertrauen untereinander und gegenüber Hasen, Enten, Schwänen und Schnecken in der ganzen Welt. Es war schwer, aber ich glaube, es ist uns gelungen. Dafür müssen wir aufpassen, dass keine neuen „Führer" auftreten. Und ich gab mein Hasenehrenwort: nie wieder Krieg!

Die Tiere und ihr Schloss

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Auch im 20. Jahrhundert sorgten wir dafür, dass es rund um das Schloss nicht langweilig wurde. Zunächst eroberten wir uns den Schlosshof und spielten dort Theater, wenig später richteten wir uns ein kleines Theater im Keller des Schlosses ein.

Manchmal blödelten wir auch einfach ein wenig im Schlosshof herum. Ihr nennt das heute Comedy.

Frederic und ich hatten bald unsere Leidenschaft für die Musik entdeckt. Zu Pfingsten trafen wir uns im Schlosshof und luden Hasen, Enten, Schwäne, Schnecken und viele andere Tiere aus Nah und Fern zum Jazzkonzert ein und ließen unsere Saxophone und Trompeten im Schlosshof ächzen.

Auch unser Nachwuchs übte sich im Schlosshof musikalisch und ließen ihre elektrischen Gitarren krachen. Das war ganz schön fool - verrückt. So mancher alter Hase konnte da manchmal nur noch die Ohren zuklappen.

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Musenhof-Tafeln (PDF, 1477 kB) - nicht barrierefrei

Kontakt

Der Musenhof wird vom Grafschafter Museum betreut:

Grafschafter Museum im Moerser Schloss, Kastell 9, 47441 Moers
Telefon: 0 28 41/ 88 15-10, E-Mail: musenhof@moers.de

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