Mit gutem und ehrlichem Maß

Bierbrauen & Bierkonsum in Moers und am Niederrhein

Der erste Bierstammtisch in Moers scheint in der Moerser Burg gestanden zu haben: Urteilt man nach den archäologischen Funden auf dem Burggelände, war Bier im Mittelalter das beliebteste Getränk auf der Moerser Burg. Zahllose mittelalterliche Bierkrüge wurden im Bereiche des Schlosses gefunden. Verwunderlich ist das nicht, denn die Burg verfügte über ein eigenes Brauhaus.

Fensterbierscheibe, 1691
Fensterbierscheibe, 1691
Foto: Grafschafter Museum
im Moerser Schloss

Dabei unterschied sich das mittelalterliche Bier von den heutigen Bieren deutlich: Bier wurde im Mittelalter zunächst meist als Grutbier gebraut. Hierzu verwendete man eine Würzmischung, die neben den Hauptbestandteilen Malz und Blättern des Gagelstrauches, Harz, Kümmel, Wacholder und andere Zutaten beinhaltete. Das Produkt des Brauprozesses war ein leicht vergorenes, trübes und süßliches Getränk mit wenig Kohlensäure. Erst die Hopfenbiere, die seit dem Spätmittelalter verbreitet waren, kamen den heutigen Bieren geschmacklich näher.

Nicht nur im Schloss, auch in der Stadt waren Bierbrauer am Werk: Everhard Gruter, sein Name deutet schon darauf hin, dass er Grutbier braute, war dabei kein gewöhnlicher Bierbrauer. Er war der landesherrliche Grutpächter, hatte also von den Herren von Moers die Erlaubnis erhalten, Bier in Moers zu brauen.

Moerser Jagdgesellschaft beim Altbierumtrunk Foto um 1890
Moerser Jagdgesellschaft
beim Altbierumtrunk
Foto: Grafschafter Museum im
Moerser Schloss

Doch auch Missstände hat es gegeben. So verfügte die Polizeiordnung von 1470/1471, dass Keute- und Braunbier unvermischt und mit „gutem und ehrlichem Maß“ verkauft werden sollte. Konkurrenzkämpfe gab es zwischen den Bierbrauern in der Stadt und auf dem Land. Die Städter obsiegten: 1611 verbot der neue Landesherr Moritz von Oranien auf ihr Drängen das gewerbsmäßige Bierbrauen auf dem Land. Alles Bier, welches dort zum Verkauf ausgeschenkt wurde, mussten die Wirte in der Stadt kaufen. Über die Brauakzise - eine Art Steuer - kam dies auch dem Stadtsäckel zu Gute.

In preußischer Zeit existierten in der Stadt Moers 16 Brauhäuser. Im 19. Jahrhundert war die Brauerei Heimberg in Asberg überregional bekannt. Die alte Gambrinus-Brauerei in der Neustraße brannte 1901 teilweise ab. Kurz darauf wurde an der Stelle der alten Gastwirtschaft eine Gaststätte in Form eines kleinen Jagdschlosses errichtet - das heutige Gebäude „Zum alten Brauhaus“.  

Mittelalterliche Bierkrüge, 14. Jahrhundert
Mittelalterliche Bierkrüge,
14. Jahrhundert
Foto: Grafschafter Museum im
Moerser Schloss

Die Ausstellung geht der Geschichte des Bierbrauens in Moers seit dem Mittelalter nach, fragt nach der Altbiertradition am Niederrhein und den Orten des Bierkonsums. Gaststätten und Vergnügungslokale waren stets öffentliche Orte des Biergenusses. Die Ausstellung spürt einige dieser Orte in Moers auf.

Zur Ausstellungseröffnung am 16. Februar, um 11.30 Uhr, sind Sie herzlich eingeladen.

Buchbares Angebot für Schulklassen (ab Klasse 7):

„Der Teufel sitzt im Alkohol.“

Dauer: 90 Minuten
Kosten: 35 Euro

Buchbare Gruppenführung für Erwachsene

Im Anschluss an eine ca. 45-minütige Führung durch die Sonderausstellung geselliger Ausklang bei einem Glas Bier (oder Wasser).
Gesamtdauer: maximal 90 Minuten

Kosten: Montag bis Freitag 75 Euro / Samstag, Sonntag, feiertags: 85 Euro pro Gruppe zuzüglich Eintritt

Zum Herunterladen:

Flyer: Mit gutem und ehrlichem Mass - Bierbrauen und Bierkonsum in Moers und am Niederrhein  (PDF, 628 kB)

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