Geschichtsstation 41: Rheinpreußen-Treibstoffwerk

Geschichtsstation 41: Rheinpreußen-Treibstoffwerk

Luftaufnahme der Werksanlagen, 2011
Luftaufnahme der Werksanlagen, 2011

Der Bau des Rheinpreußen-Treibstoffwerks in Meerbeck, das an den früheren Steinkohle-Schacht V in Moers-Utfort angrenzte, war Teil der Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg, denn die Herstellungskosten für das hier nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren aus Kohle gewonnene synthetische Benzin lagen weit über den damaligen Weltmarktpreisen für Benzin.

Einweihung des Treibstoffwerks am 1. Mai 1939
Einweihung des Treibstoffwerks
am 1. Mai 1939

Geplant wurde das Werk Anfang 1935 durch Heinrich Kost (1890-1978), der 1932 in die Direktion der Rheinpreußen- AG eintrat und 1933 als Mann des deutschnationalen „Stahlhelms" von den neuen Machthabern in den Moerser „Kreisausschuss" delegiert wurde. Bereits im Oktober 1936 meldete Kost an Adolf Hitler telegraphisch „das erste Benzin aus der Treibstoffabrik".

Am 1. Mai 1939, vier Monate vor Hitlers Überfall auf Polen, wohnten 30.000 begeisterte Menschen der Einweihung bei. 170 Familien bezogen die bis heute bestehende „Treibstoffsiedlung" an der Homberger Straße.

Rheinpreußen-Werbung aus dem Moerser Heimatkalender von 1939
Rheinpreußen-Werbung aus
dem Moerser Heimat-
kalender von 1939

Der Autarkie-Gedanke, mit einem von Ölimporten unabhängigen Krieg die Niederlage von 1918 zu korrigieren, fand konkreten Ausdruck in Hitlers Vierjahresplan von 1936, als nicht nur die Kohle-Chemie, sondern auch der synthetische Kautschuk Buna Vorrang erhielten, mit dem später die Einfuhrengpässe bei Naturkautschuk überbrückt werden konnten. Das Fischer-Tropsch-Verfahren gestattete neben der Kohleverflüssigung eine Vielzahl chemischer Produkte, während andere Hydrierwerke Treibstoffe für Flugmotoren herstellten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Meerbeck durch einen Hochbunker für 1.300 Beschäftigte und eigene Flakstellungen geschützt, Anfang 1940 sogar durch eine Scheinanlage im nördlich gelegenen Binsheimer Feld zur Täuschung der alliierten Bomber. Die wiederholten Zerstörungen gipfelten in der völligen Lahmlegung der Produktion im Oktober 1944. Ein Tagesluftangriff noch am 2. März 1945 forderte 78 Todesopfer, unter ihnen viele Zwangsarbeiter.

Der bis heute bestehende Hochbunker konnte 1.300 Beschäftigte fassen.
Der bis heute bestehende
Hochbunker konnte 1.300
Beschäftigte fassen.

Wie beim Kunstkautschuk Buna verboten die Alliierten nach 1945 vorübergehend Teile der Produktion. Mit nunmehr importiertem Öl brachte es die Rheinpreußen-AG im Autoboom der 1950er Jahre auf ein Netz von 800 Tankstellen, wobei sich der Schwerpunkt nach und nach auf die Herstellung chemischer Produkte verlagerte. Das Unternehmen gehörte ab 1959 zur Deutschen Erdöl AG und ab 1970 zur Texaco. Als Teil der CONDEA wurde es im Jahr 2001 von RWE/DEA an SASOL veräußert, die South African Synthetic Oil Limited, die im Südafrika der Apartheid ebenfalls nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren gearbeitet hatte. Ende 2013 wurde es - vorbehaltlich der Zustimmung durch die europäische Kartellbehörde - von der 1998 gegründeten und in der Schweiz ansässigen Chemieholding INEOS übernommen. Im Werk Moers produzieren derzeit (2014) gut 400 Beschäftigte Lösemittel, Feinchemikalien und Maleinsäureanhydrid (MSA).

Erreichbarkeit mit dem ÖPNV

HaltestelleEntfernung
Chemische Werke, Moers343 Meter
Eisenstraße, Moers539 Meter
Bismarckstraße, Moers588 Meter
Jahnstraße, Moers663 Meter

Diese Seite teilen:

.