Geschichtsstation 37: Siedlung Meerbeck-Hochstraß

Geschichtsstation 37: Siedlung Meerbeck-Hochstraß

Meerbeck-Mitte um 1905 mit den Traditions-Lokalen „Reichskrone“ (Biltjes) und „Glück Auf“ (Pesch/Seyok)
Meerbeck-Mitte um 1905 mit den
Traditions-Lokalen „Reichskrone"
(Biltjes) und „Glück Auf"
(Pesch/Seyok)

Mit dem Abteufen der Rheinpreußen-Schächte IV in Hochstraß und V in Utfort im Jahr 1900 wurde die Siedlung Meerbeck-Hochstraß auf dem Reißbrett entwickelt. Der Bau der „Colonie" - heute eine der schönsten Zechensiedlungen in Deutschland - begann im März 1904, parallel zur beginnenden Kohleförderung. 1905 kam Hochstraß zu Moers und 1910 Meerbeck zur neu gebildeten Bergbau-Gemeinde Repelen-Baerl, dem späteren Rheinkamp (1950). „Meerbeck" findet sich auf alten Karten auch als „Merwyck". Über Hochstraß führte die alte Römerstraße nach Xanten.

Blick in die E-Straße, die zentrale Achse der „Colonie“, um 1912 (ab 1934 Moselstraße)
Blick in die E-Straße, die zentrale
Achse der „Colonie", um 1912
(ab 1934 Moselstraße)

Statt Mietskasernen, wie zuvor im Ruhrgebiet, plante man hier nach dem Vorbild der englischen Gartenstädte verschiedenste „Wohnküchen-Häuser" mit separatem Eingang, Nutzgärten nach innen und baumbepflanzten Straßen, dazu die Möglichkeit, eine Ziege oder ein Schwein zu halten. Die Mietverträge waren an die Arbeit auf der Zeche gekoppelt. Es kamen Reichsdeutsche aus Oberschlesien oder dem Ruhrgebiet, Slowenen, Deutsch-Österreicher, Böhmen und Tschechen, Ungarn und Polen. Das Völkergemisch verstand sich gut, die Not der Arbeiterfamilien zwang zu Solidarität und Nachbarschaftshilfe. Vereine, wie jener der Schlesier oder die des Arbeitersports,förderten den Zusammenhalt. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden für etwa 10.000 Zuwanderer - darunter viele Katholiken - Kirchen und Schulen, Sportanlagen und Konsumanstalten.

Das Meerbecker „Reichbanner Schwarz-Rot-Gold“ zur Verteidigung der Republik vor der Gaststätte „Glück Auf“
Das Meerbecker „Reichbanner
Schwarz-Rot-Gold" zur Vertei-
digung der Republik vor der
Gaststätte „Glück Auf"

Die schwere Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik ist durch harte Arbeitskämpfe mit den „Zechenbaronen" und immer heftigere Auseinandersetzungen mit der Polizei gekennzeichnet. Viele waren in SPD und KPD und deren Jugendgruppen organisiert, im Arbeitersport oder in der Arbeiterwohlfahrt. Während das bürgerlich-ländliche Moers 1932 noch zu 60-82% für die Hitler-Koalition gestimmt hatte, formierte sich hier der Widerstand - mit Sozialdemokraten wie Hermann Runge (1902-1975), später einer der „Väter" des Grundgesetzes - und kommunistischen Gruppen wie jenen um Willi Müller (1912-1990) oder Richard Buchmann (1900-1969).

Zerstörte Häuser, Juli 1944
Zerstörte Häuser, Juli 1944

Vom Bombenkrieg 1942-1944 war die "Kolonie" zwischen dem Rheinpreußen-Treibstoffwerk und dem Moerser Bahnhof, wo 1932/33 noch deutlich gegen Hitler gestimmt worden war, stark betroffen, viele Häuser wurden zerstört, viele Todesopfer waren zu beklagen. Eine Bürgerinitiative verhinderte 1978/80 die Privatisierung eines Großteils der Siedlung, den die Stadt Moers erwarb. Bei der Sanierung bis 1995 wurden der bauliche Charakter der Häuser und soziale Strukturen geschützt, Fernwärme und ökologische Standards für alle eingeführt.

 

 

 

Erreichbarkeit mit dem ÖPNV

HaltestelleEntfernung
Zwickauer Straße, Moers117 Meter
Marienburger Straße, Moers335 Meter
Jahnstraße, Moers424 Meter
Eisenstraße, Moers584 Meter

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