Geschichtsstation 29: Kapellen


Geschichtsstation 29: Kapellen

Schachtanlage Niederberg III, 1960er Jahre
Wohnsiedlung in Kapellen, im
Hintergrund die Schachtanlage,
1960er Jahre

Der Ort hat seinen Namen von einer 1301 erstmals erwähnten, dem heiligen Ludger geweihten Kapelle. Das Patrozinium verweist auf eine Gründung durch die Abtei Werden (heute Stadt Essen). Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts kam die Kapelle wohl von der Pfarre Friemersheim an die Pfarre Neukirchen. Kapellen gehörte zur Herrschaft Friemersheim und wurde mit dieser 1366 zunächst an den Ritter Johann von Moers versetzt und 1392 an den Grafen von Moers verkauft. Nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Moers 1560 erfolgte die Ablösung vom Kirchspiel Neukirchen und die Bildung der reformierten Pfarre Kapellen. Die Kapelle wurde zur heutigen evangelischen Kirche und in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts im spätgotischen Stil erweitert. Im 17./18. Jahrhundert kam der zweistöckige Backsteinturm hinzu. Kapellen war in französischer Zeit Mairie, ab 1816 preußische Bürgermeisterei. 1844 wurde die Gemeindesparkasse gegründet, die zu den ältesten im ehemaligen Kreis Moers gehört. In den kommenden knapp 100 Jahren stieg der Einlagenbestand auf 30 Millionen Mark, wodurch Kapellen gemessen an der Einwohnerzahl zu den reichsten Gemeinden Deutschlands zählte. Um die stets wachsenden Aufgaben der Kasse zu bewältigen, wurde 1935 an der Ehrenmalstraße ein Sparkassengebäude errichtet.

Wohnsiedlung in Kapellen, im Hintergrund die Schachtanlage, 1960er Jahre
Schachtanlage Niederberg III,
1960er Jahre

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Kapellen weitgehend landwirtschaftlich geprägt. Mit der Inbetriebnahme eines Seilfahrt- und Wetterschachtes (Niederberg III) der Niederrheinischen Bergwerks AG (ab 1969/98 Ruhrkohle AG bzw. RAG Deutsche Steinkohle AG) 1957 wurde Kapellen zur Industriegemeinde. Der Eröffnung des Schachtes folgten die Errichtung eines Heizkraftwerks für Fernwärme und die Ansiedelung weiterer Industriebetriebe aus der metall- bzw. papierverarbeitenden und der Lebensmittelbranche. Gleichzeitig entstand ein großes Siedlungsgebiet unabhängig vom Ortskern für mehrere tausend Menschen.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde Kapellen zum 1. Januar 1975 in die Stadt Moers eingemeindet. Die Errichtung des Stadtteilzentrums 1986 sollte unter anderem für eine engere Bindung zwischen der Stadt Moers und den Bewohnern ihres neuen Stadtteils sorgen. Zum Jahrtausendwechsel erfasste der wirtschaftliche und strukturelle Wandel im Bereich Bergbau und Industrie auch Kapellen: 2001 wurde die gesamte Schachtanlage Niederberg aufgegeben, bis 2003 wurde Schacht III verfüllt und wurden die Tagesanlagen der Zeche Kapellen komplett abgebrochen. 

Erreichbarkeit mit dem ÖPNV

HaltestelleEntfernung
Kapellen Bahnhofstraße, Moers4 Meter
Friedhofstraße, Moers337 Meter
Dorsterfeldstraße, Moers353 Meter
Kapellen Friedhof, Moers377 Meter

Diese Seite teilen:

.