Geschichtsstation 18: Rathaus

Geschichtsstation 18: Rathaus

Rathaus mit „Mattorn“, evangelische Kirche und Gymnasium Adolfinum, Lithografie, um 1859.
Rathaus mit „Mattorn", evang-
elische Kirche und Gymnasium
Adolfinum, Lithografie, um 1859

Im Laufe ihrer über 700-jährigen Geschichte befand sich das Rathaus der Stadt Moers an verschiedenen Plätzen. Aus dem Mittelalter ist für Moers kein Rathaus bekannt. Möglicherweise diente das um 1460 am Altmarkt bezeugte Kaufhaus auch als Rat- und Gerichtshaus. Vor 1610 erwarb die Stadt ein repräsentatives, 1491 errichtetes Bürgerhaus (wohl zusammen mit einem nebenliegenden Gebäude) an der Steinstraße neben dem Meertor und nutzte es nach Um- und Erweiterungsbauten als Stadt- oder Rathaus. Söller und Keller waren vermietet, das Obergeschoss an den Landesherrn Moritz von Oranien (1567-1625), der Keller an wechselnde Mieter. Nach der Errichtung der oranischen Stadtbefestigung (1611-1620) wurde das als Stadttor nicht mehr benötigte Meertor zum Rathausturm, wo das Gefängnis und das Archiv untergebracht waren. 1617 stiftete Moritz von Oranien dem Turm eine Glocke (heute im Grafschafter Museum im Moerser Schloss). Noch Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Rathaus außer vom Magistrat von der preußischen Regierung genutzt, die den großen Konferenzsaal und weitere Räume beanspruchte, weshalb der Stadt nur ein Versammlungs- und ein kleines Registraturzimmer zur Nutzung blieben.

Zwei römerzeitliche Löwen, die den gotischen Torbogen an der Steinstraße geziert haben.
Neben dem Rathaus an
der Steinstraße befand
sich als Zugang ein go-
tischer Torbogen, den
zwei römerzeitliche Löwen
zierten (1679 dort bezeugt).
Sie stammen aus dem
nahen Asciburgium und
befinden sich heute im
Grafschafter Museum im
Moerser Schloss.

Ab 1879 beherbergte das Rathaus außerdem für fast ein Jahrzehnt das neu eingerichtete Amtsgericht. Die wachsenden Verwaltungsaufgaben der Stadt erforderten mehr Raum. Diesen bot ab 1905 mit dem Erwerb des Schlossareals durch die Stadt Moers die dort liegende ehemalige Wintgensche Fabrik (Zerstörung im Zweiten Weltkrieg). 1913 beschloss der Stadtrat den Neubau eines Rathauses an der Nordseite des Neumarkts, der wegen des Ersten Weltkrieges nicht realisiert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich im Rathausgebäude an der Steinstraße nur noch das Standesamt, die Stadtbücherei und das Stadtarchiv, die übrige Stadtverwaltung war auf verschiedene Gebäude in der Stadt verteilt. Anlässlich des 650. Stadtjubiläums 1950 wurde der Grundstein für einen Rathausneubau an der Nordseite des Neumarkts gelegt - dort, wo bereits 1913 ein Rathausbau vorgesehen gewesen war.

Der Rathausbau von 1954.
Der Rathausbau von 1954

Gegen die Pläne für ein modernes Verwaltungsgebäude aus Beton, Stahl und Glas regte sich Widerstand, man wünschte sich statt eines nüchternen Zweckbaus ein Rathaus mit einem Turm als Erinnerung an das alte Wahrzeichen der Stadt, den 1907 abgebrochenen Meerturm („Mattorn"). 1954 wurde der Neubau eingeweiht.

Das Kreishaus von 1962, ab 1984 „Neues Rathaus“.
Das Kreishaus von 1962, ab 1984
„Neues Rathaus"

Das ehemalige Rathaus an der Steinstraße wurde 1955 abgerissen und durch das bestehende Geschäftshaus ersetzt. 1984 übernahm die Stadt Moers das 1962 am Rande des Schlossparks errichtete Kreishaus, das im Sprachgebrauch zum „Neuen Rathaus" wurde und für fast drei Jahrzehnte als Verwaltungssitz diente. Das fortan „Alte Rathaus" wurde ab 2009 grundlegend saniert und um ein modernes Verwaltungsgebäude ergänzt. 2012 wurde der Neubau bezogen.

Erreichbarkeit mit dem ÖPNV

HaltestelleEntfernung
Rathaus, Moers139 Meter
Nordring, Moers203 Meter
Königlicher Hof, Moers242 Meter
Königlicher Hof, Moers305 Meter

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