Geschichtsstation 11: Juden in Moers II

Geschichtsstation 11: Juden in Moers II

Isaak Kaufmann, Inhaber eines Eisenwarengeschäfts in der Steinstraße und langjähriger Stadtverordneter, am Steuer seines Automobils anlässlich der Jahrtausendfeier der Rheinlande.
Isaak Kaufmann, Inhaber eines
Eisenwarengeschäfts in der
Steinstraße und langjähriger
Stadtverordneter, am Steuer
seines Automobils anlässlich
der Jahrtausendfeier der Rhein-
lande, 1925

1613 werden erstmals Juden in Moers erwähnt. 1678 wurde die Zahl ihrer Familien in der Grafschaft Moers auf sechs begrenzt. 1723 lebten hier elf Familien. Bis ins 19. Jahrhundert hinein unterlagen Juden rechtlichen und beruflichen Beschränkungen. Das „Gesetz über die Verhältnisse der Juden" von 1847 war ein Schritt auf dem Wege zu ihrer bürgerlichen und staatsrechtlichen Emanzipation in Preußen, die jedoch erst 1869 voll erreicht wurde.

1928 lebten in Moers rund 230 Juden. Zur Synagogengemeinde gehörten auch die Juden in Neukirchen- Vluyn, Kamp-Lintfort, Homberg und Rheinhausen. Die Moerser Juden sahen sich selbst als Deutsche jüdischen Glaubens. Doch schon vor 1933 gab es in Moers antisemitische Ausschreitungen. So wurde bereits am Karfreitag 1927 der jüdische Friedhof zum ersten Mal geschändet. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verschlechterte sich die Situation der Juden dramatisch.

Jüdische Viehhändler und Metzger vor dem Moerser Schlachthof.
Jüdische Viehhändler und Metzger
vor dem Moerser Schlachthof,
darunter Moses Moses, Leopold
Moses, Siegmund Leyser, Julius
Jacob, Salomon Coppel

Antijüdische Gesetze und Schikanen erschwerten ihr Leben, entrechteten sie und drängten sie an den Rand der Gesellschaft. Viele von ihnen wanderten aus. Die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 war für viele das letzte Signal zur Flucht. Mit Kriegsbeginn 1939 waren die Wege ins Ausland endgültig verschlossen. Die 60 in Moers verbliebenen Juden mussten auf engstem Raum in fünf sogenannten „Judenhäusern" leben. Erinnerungstafeln kennzeichnen heute die Häuser Burgstraße 16 und Kirchstraße 11, die übrigen Häuser waren auf der Uerdinger Straße 11, Neustraße 33a und Repelener Straße 2.

Die NS-Propaganda stellte die Deportationen als „Evakuierung zum Arbeitseinsatz im Osten" dar. Der 1. Transport vom 10. Dezember 1941 begann am helllichten Tag an der ehemaligen „Gaststätte Steinschen" an der Kreuzung Hülsdonker und Krefelder Straße. 40 Personen wurden mit der Straßenbahn nach Krefeld gebracht und von dort weiter nach Riga deportiert.

1. Deportation, 10. Dezember 1941.
1. Deportation,
10. Dezember 1941

Nur zwei Männer überlebten diesen Transport. Einer von ihnen, Karl Coppel aus Neukirchen-Vluyn, war der einzige der deportierten Juden, der sich nach 1945 wieder im Raum Moers niederließ. Bei der 2. Deportation am 25. Juli 1942 wurden 21 zum Teil hochbetagte Personen nach Theresienstadt abtransportiert. Die 3. Deportation vom September 1944 traf überwiegend Frauen, die bis dahin durch nichtjüdische Ehepartner geschützt gewesen waren. Nur zehn von ihnen überlebten. Insgesamt wurden mindestens 180 Menschen aus der Synagogengemeinde Moers ermordet, die Überlebenden in alle Welt zerstreut.

Seit 1982 befindet sich am Nachbargebäude der 1975 abgerissenen ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel. 1987 wurde gegenüber das Mahnmal des Synagogenbogens errichtet. Die heute in Moers lebenden Juden gehören zur Kultusgemeinde Krefeld.

Zum Herunerladen:

Geschichtsstation 11: Juden in Moers II - in Hebräisch übersetzt (PDF, 161 kB)

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Königlicher Hof, Moers154 Meter
Königlicher Hof, Moers162 Meter
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