Stadtgeschichte Teil 3

Steinstraße und Mattorn, mittelalterliches Stadttor und späterer Rathausturm, Postkarte vor 1907
Steinstraße und Mattorn, mittelalterliches
Stadttor und späterer Rathausturm,
Postkarte vor 1907

1900

In der Stadt leben 6.240 Menschen und im Bereich der Landbürgermeisterei weitere 6.075. Mit dem Einzug des Bergbaus in Moers verändern sich die sozialen und wirtschaftlichen Umstände des bis dahin eher beschaulichen Landstädtchens nachhaltig. Der erste Rheinpreussen-Schacht (4) auf Moerser Fläche wird bis 1904 abgeteuft (1962 geschlossen).

1901

Am 1. Juli wird das Wegegeld auf der “Moers-Homberger Aktienstraße” (heute Homberger Straße) aufgehoben.

1902

Die 200-jährige Zugehörigkeit zu Preußen wird in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. gefeiert.

1903

Die Eisenbahnverbindung von Duisburg über Moers nach Kleve wird am 23. Dezember dem Verkehr übergeben. Dr. John Haniel hatte die Idee zu der Linie.

1904-1914

Die Zechen- und Arbeitersiedlung Meerbeck/Hochstraß wird errichtet und bietet rund 10.000 Menschen ein Dach über dem Kopf.

1905

Die Stadt erwirbt das Moerser Schloss, der Park wird erstmals öffentlich zugänglich.

1906

Die Gemeinden der Landbürgermeisterei Moers und der Stadt Moers werden vereinigt.

1908

Im Moerser Schloss wird das Grafschafter Museum eröffnet. Auch die Eisenbahnlinie Moers-Homberg wird eröffnet.

1909

Die Moerser Kreisbahnen gehen in Betrieb.

1918-1926

Moers ist wie andere Teile des Rheinlandes und des Ruhrgebietes nach dem Ersten Weltkrieg unter belgischer Besatzung.

Luftaufnahme von Meerbeck mit dem Chemiewerk aus dem Jahre 1960
Luftaufnahme von Meerbeck mit dem
Chemiewerk aus dem Jahre 1960

1927/1934

In Repelen nehmen die beiden nach Heinrich Pattberg, seit 1892 Leiter der Grubenverwaltung und Technischer Leiter von Rheinpreussen, benannten Schächte ihren Betrieb auf.

ab 1936

In den chemischen Werken in Meerbeck wird ein Verfahren zur Gewinnung von synthetischem Benzin aus Kohle angewendet.

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Moers im Nationalsozialismus (1933-1939)

30.01.1933: „Machtergreifung“ des Nationalsozialismus

Aufgrund der Kommunalwahl einen Monat zuvor wird der Moerser Stadtrat am 05.04.1933 mit einer starken nationalsozialistischen Dominanz (16 von 32 Sitzen) feierlich eröffnet.

Straßen und Plätze werden nationalsozialistisch umbenannt.

Trotz eindeutiger Anzeichen gewalttätiger und extremer Verhaltensweisen der Nationalsozialisten und der Aufhebung sämtlicher Grundrechte wie Freiheit der Person und Recht auf freie Meinungsäußerung durch die „Reichtagsbrandverordnung“ vom 28. Februar 1933 wird die NSDAP zunächst von der Verwaltung und Politik in Moers stark unterschätzt.

Widerstandshandlungen, vor allem die der KPD, werden von den Nationalsozialisten verfolgt und sämtliche kommunistische Tendenzen unterbunden. Beispielhaft für den Widerstand sind die Moerser Kommunisten Adam Erbach, Johann Meimers, Friedrich Pusch und Walter Kuchta zu nennen. Auch die Moerser Sozialdemokraten Wilhelm Müller und Hermann Runge leisteten großen Widerstand. Runge verteilt innerhalb seiner Tätigkeit bei der Duisburg-Hamborner Brotfabrik „Germania“ illegale (sozialdemokratische) Schriften am Niederrhein, kooperiert mit Emigranten, übermittelt die NSDAP kritisierende Berichte ins Ausland und organisiert unerlaubte Zusammenkünfte mit anderen Sozialdemokraten außerhalb von Deutschland. Dafür wird er am 11. Dezember 1936 zu einer neunjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach ihm wird die 1996 gegründete Hermann-Runge-Gesamtschule (Gabelsbergerstraße 14) benannt.

Einige Juden emigrieren bis zum Oktober 1941. Diejenigen, die bleiben, fallen bürokratisch und administrativ eingehegten Schikanen wie Enteignung zum Opfer und werden nach dem 10. Dezember 1941 in den Osten deportiert. Im Synagogenbezirk Moers liegt die Zahl der ermordeten Juden bei 180 Personen.

Moers in der Kriegszeit (1939-1945)

Während des Krieges (Kriegsausbruch in Moers: 1. September 1939) werden 5.000 Soldaten aus Moers eingezogen. Ihre fehlende Arbeitskraft kompensieren Frauen und mehrere tausend Zwangsarbeiter, überwiegend aus dem Osten stammend.

Der Bombenkrieg beginnt Pfingsten 1940. 160 Menschen kommen in Moers insgesamt durch Bombeneinwirkungen zu Tode, 535 Wohnhäuser werden zerstört und 286 landwirtschaftliche, gewerbliche und öffentliche (unter anderem Verwaltungsgebäude Kastell, Gymnasium Adolfinum) Gebäude schwer beschädigt.

Die meisten Kinder aus Moers (bis auf 10.000) werden zu ihrem Schutz in weniger bombengefährdete Gebiete verschickt.

Amerikanische Truppen erreichen am 4. März 1945 Moers und beenden damit hier den Zweiten Weltkrieg.

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