Moers unterm Hakenkreuz

Einschlag des Buches "Moers unterm Hakenkreuz"
"Hunderttausend Steinchen für die Ehrenhalle“:
das 2005 wieder frei gelegte NS-Mosaik
von 1937/1938 im Moerser Schloss zeigt
in scheinbarer Harmlosigkeit eine
illustrierte Karte des Kreises Moers.

Der Kreis Moers im Nationalsozialismus: In der protestantisch geprägten Kreisstadt wählten bereits 1932 städtische Mittelschicht und Bauern der „Grafschaft“ zu 60 bis 80 % die Hitlerkoalition. Neukirchen-Vluyn hatte 1928 sogar erstmalig in ganz Preußen einen nationalsozialistischen Bürgermeister gewählt. Lediglich die Arbeiterbezirke in Rheinhausen, Homberg, Kamp-Lintfort oder Moers-Meerbeck und der katholisch geprägte Norden des Kreises mit Rheinberg und Xanten zeigten sich gegenüber den Nazis weniger anfällig.

Der Band stellt dar, wie die nationalsozialistische Gewaltherrschaft das Leben geprägt hat. Anhand von nahezu 600 Dokumenten und zahlreichen Interview-Ausschnitten verleihen die 17 Autorinnen und Autoren des Buches insbesondere den Opfern des Nationalsozialismus Gesicht und Stimme: den Widerstandskämpfern der Arbeiterschaft, einzelnen Kirchenmännern, den Zeugen Jehovas und einigen der mehr als 20.000 ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die hierher verschleppt worden waren und von denen über 900 in den KZ-ähnlichen Lagern der Kamp-Lintforter Zeche Friedrich Heinrich, in den Rheinpreußen-Schächten, bei Krupp in Rheinhausen oder in der Landwirtschaft den Tod fanden.

Demgegenüber lernten die seit 1994 aus der Ukraine, Polen und den Niederlanden eingeladenen Überlebenden den Niederrhein ganz anders kennen. Sie berichten von ihren Erfahrungen während und nach dem erneuten Aufenthalt in Deutschland: Viele von ihnen konnten dank dieser Besuche nach Jahren endlich Frieden mit der Vergangenheit schließen und innere Ruhe finden.

Deutschnationale Tradition und Nazis

Junge Frauen des Bundes der Königin Luise im Juli 1933
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Junge Frauen des Bundes der Königin Luise im Juli 1933 am kurz zuvor eingeweihten Heldendenkmal „Hektors Abschied von Andromache“ – im Schmuck von Hakenkreuzfahnen: die für Moers damals so typische Symbiose zwischen Nazis und Deutschnationalen, wie sie auch Bürgermeister Dr. Fritz Eckert oder Rheinpreußenchef Heinrich Kost verkörperten.  

Hindenburgplatz Moers

Der Moerser Neumarkt, damals Hindenburgplatz
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Der Moerser Neumarkt, damals Hindenburgplatz, im Schmuck von Hakenkreuzfahnen. Die neue Dokumentation beschreibt, wie die Nazis den Platz umgestalten wollten. Und wie der von den Nazis geplante Neue Wall nach dem Krieg von Heinrich Hauschild, einem überzeugten Antifaschisten, in die Realität umgesetzt wurde. 

Arbeitssklaven

Ukrainische Zwangsarbeiter 1943 im KZ-ähnlichen Lager
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Ukrainische Zwangsarbeiter 1943 im KZ-ähnlichen Lager an der Rayer Straße (damals Repelen-Baerl, heute Kamp-Lintfort). Die dafür zuständige Zeche Friedrich Heinrich meldete monatlich ein halbes Dutzend Todesopfer an das Bergamt. Insgesamt kamen – standesamtlich beurkundet - mindestens 921 junge Russen und andere Ausländer im damaligen Kreis Moers um.

Krupp/Rheinhausen: der NSDAP-Kreisleiter in der größten Stadt des damaligen Kreises

Beim Anstich eines neuen Hochofens im Januar 1938 bei Krupp in Rheinhausen
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Beim Anstich eines neuen Hochofens im Januar 1938 bei Krupp in Rheinhausen befindet sich NSDAP-Kreisleiter Dr. Karl Bubenzer auf dem Höhepunkt seiner Macht. Knapp 15 Jahr nach dem Klassiker „Tatort Moers“ geht die neue Dokumentation noch einmal genauer auf die Legende von den „netten Nazis in Moers“ ein.

Als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet

Der Bergmann und Zeuge Jehovas Franz Saumer von der Moerser Elbestraße
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Der Bergmann und Zeuge Jehovas Franz Saumer von der Moerser Elbestraße wurde am 4. Februar 1944 wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet. Nach ihm ist eine Straße in Meerbeck benannt.

Im Buch wird eingehend die Verfolgung der Zeugen Jehovas im gesamten Altkreis Moers untersucht.

Das Buch, das 850 Seiten umfasst, ist im Klartext-Verlag erschienen und kann für 14,80 Euro in allen Buchhandlungen erworben werden.

Ebenfalls im Handel noch erhältlich ist die bereits früher erschienene Dokumentation „Tatort Moers“ von Bernhard Schmidt und Fritz Burger.

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