STM beleuchtet die Folgen von Armut

Pressemitteilung vom 07.05.2007 - Angaben in dieser Mitteilungen sind eventuell nicht mehr aktuell

Mit der Kampagne „VORSICHT: ArMUT“ geht das Schlosstheater Moers (STM) einen weiteren Schritt in der Vernetzung von sozialen und künstlerischen Interessen. Bereits vor zwei Jahren rückte das Ensemble um Intendant Ulrich Greb das Thema Demenz aus der Tabuzone in die Diskussion der Öffentlichkeit. In der neuen Kampagne steht ab dem 12. Mai das Thema Armut im Zentrum. Gemeinsam mit den Moerser Wohlfahrtsverbänden möchten die Theaterleute Armut in der direkten Nachbarschaft künstlerisch befragen.

Am Freitag, 4. Mai, trafen sich mehrere Beteiligte, um im Vorfeld über die Zusammenarbeit zu berichten. Neben den Theatermachern waren Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Moers, des Diakonischen Werks Kirchenkreis Moers, des Moerser Arbeitslosenzentrums e.V. (MALZ) anwesend. „Armut ist ein großes gesellschaftliches Thema. Als Stadt können wir stolz darauf sein, dass sich das STM in dieses Feld begibt“, freute sich der Erste Beigeordnete Hans-Gerhard Rötters. Er hatte den Kontakt zum Landschaftsverband Rheinland ermöglicht, aus dessen Fonds ein 5-stelliger Betrag zur Unterstützung der Kampagne fließt. Zudem möchte Rötters die „Aktion Mensch“ als Kooperationspartner ins Boot holen.

„Für das Thema sind Fachleute nötig. Wir als Theater können die Öffentlichkeit herstellen“, sagte Intendant Ulrich Greb. Durch die Kampagne wird nicht nur die finanzielle Armut, sondern auch die geistige und emotionale untersucht. Die Wichtigkeit für Moers unterstrich auch Hartmut Hohmann, Geschäftsführer des „Paritätischen“: „Armut ist kein Thema nur für Großstädte, sondern auch für unseren Bereich.“ Die lange Schlange vor der Moerser Tafel jeden Freitag würde dies zeigen.

Bei den Überlegungen zur Kampagne ist die Idee für einen Tauschladen entstanden. „Dort können Waren gegen Waren oder Dienstleistungen gegen Waren getauscht werden. Wir wollen bewusst Geld aus dem Spiel lassen. Alternative Märkte suchen nach gesellschaftlichen Räumen außerhalb der Leistungsgesellschaft“, erläutert Diakonie-Geschäftsführer Rainer Tyrakowski-Freese das Konzept, „wir wollen keine neue Institution schaffen, sondern mit interessierten Menschen und ehrenamtlichem Engagement neue Wege suchen.“ Parallel dazu entwickelt das STM eine Tauschbörse, in der Gegenstände über ihren individuellen Wert definiert werden. Sachen werden mit einer kurzen schriftlichen Erklärung anonym abgegeben. Dafür darf man sich einen anderen Gegenstand aussuchen. „Wir wollen spielerisch darauf aufmerksam machen, dass der Wert einer Ware sich nicht nur am Preisschild ablesen lässt“, erklärte Greb.

Dass „Armut“ künstlerisch beleuchtet wird, findet Peter Sokoll vom MALZ besonders wichtig: „In Film und Theater sind soziale Fragestellungen eher Randaspekte. Ich freue mich, dass wir durch die Kampagne viele verschiedene Leute informieren können, die sich bisher nicht damit auseinander gesetzt haben.“ So wäre vielen Leuten nicht klar, dass die Regelsätze für das Arbeitslosengeld 2 keinen Anteil für Schulbücher enthalten. Bei den Aufführungen ist das MALZ mit einem Stand vertreten.

Plakat zum Projekt

Die Kampagne startet offiziell am Samstag, 12. Mai, mit den Inszenierungen „MITESSER“ sowie „Tarzan und Heidi, Überleben ohne Schrift“. In dem ersten Stück folgt das STM den Spuren von Armut in Moers. Interviews und Gespräche bilden die Basis für den Theaterabend, der polarisierend Meinungen, Urteile und Vorurteile gegenüber stellt. „Tarzan und Heidi“ befragt die Verbindung von Bildung und Armut am Beispiel von Analphabetismus. Weiter geht es am 13. Mai mit der Lesung „Hauptsache, die Quadratmeter stimmen, Moerser Lebenslagen“.  Am 10. Juni laden das STM und die Moerser Tafel zu einem musikalisch-literarischen Abendessen an „Die große Tafel“ in den Schlosspark ein. Der 40 Meter lange Tisch bietet allen Platz. Das gemeinsame Essen soll eine Geste der sozialen Gleichheit sein. Für Musik sorgt die Münsteraner Obdachlosenband „Obdali-Obdala“. Im Herbst wird die Kampagne fortgesetzt.

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