NS-Dokumentationsstelle erinnert an Brotfahrer-Prozess vor 75 Jahren

Pressemitteilung vom 14.07.2011 - Angaben in dieser Mitteilungen sind eventuell nicht mehr aktuell

Genau 75 Jahre ist es am 22. Juli her, dass im zweiten „Brotfahrer"-Prozess von der Nazi-Justiz viele Moerser Widerständler zu hohen Strafen verurteilt wurden. Unter den insgesamt 75 Personen befanden sich u. a. die späteren Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Müller (Moers), Johann Steegmann und Walter Ulrich (Repelen-Baerl/Rheinkamp), Robert Schmelzing (Kamp-Lintfort) sowie Walter Leese und Bernhard Jung, die DGB-Nachkriegsgründer im Kreis Moers. Der erste Alterspräsident des NRW-Landtags, Peter Zimmer, gehörte ebenso dazu. Auch das Urteil gegen Hermann Runge erging vor 75 Jahren (11. Dezember 1936). Dr. Bernhard Schmidt von der „NS-Dokumentation im Stadtarchiv" erinnert an diesen besonderen Jahrestag: „Gerade die Überlebenden aus diese Prozessen haben nach der Befreiung die Demokratie in Moers und landesweit wieder glaubwürdig gemacht."

Widerstandskreis auf breiter Basis

Die „Brotfahrer“ Walter Leese (l.) und Hermann Runge
Die „Brotfahrer" Walter Leese (l.) und
Hermann Runge bekamen dreieinhalb
und neun Jahre Zuchthaus. (Foto: privat)

Nicht das Hitler-Attentat im Jahr 1944, sondern die „Brotfahrer" stehen für den Widerstand in Moers. Über die Brotfahrer der Großbäckerei Kordahs in Duisburg-Hamborn bauten Hermann Runge und seine Mitstreiter einen großen Widerstandskreis auf, der von einer breiten Basis getragen wurde. Er reichte von der niederländischen Grenze bis nach Westfalen. Den Anstoß für die Enttarnung gab der Moerser NSDAP-Ortsgruppenleiter und Polizeidezernent Otto Suhr, Insgesamt wurden rund 600 Personen auf „einen Schlag" verhaftet.

Umfangreiche und wertvolle Sammlung

Haftkarte des Moerser Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Müller

Haftkarte des Moerser Nachkriegsbürger-
meister Wilhelm Müller (1 Jahr 7 Monate
Zuchthaus). (Foto: privat)

Seit Ende 2008 enthält das Moerser Stadtarchiv wertvolle Dokumente aus der NS-Zeit, den 20er Jahren und der Nachkriegszeit. Das Material erhielt Dr. Bernhard Schmidt von Familien, erstand er auf Flohmärkten oder entdeckte es in nahezu 20 Archiven. Zusammen mit anderen Autoren - und später unterstützt vom Verein „Erinnern für die Zukunft" - veröffentlichte Dr. Schmidt Publikationen wie „Tatort Moers", „Widerstand und demokratischer Neubeginn im Altkreis Moers", „UnterMenschen? Zwangsarbeiter/innen im Altkreis Moers" und „Moers unterm Hakenkreuz". Bei seiner ehrenamtlichen Arbeit führt er auch die bereits seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendlichen fort. Zu seinem Engagement gehören außerdem Stadtführungen wie „Mutiges Meerbeck-Hochstraß". Die nächste führt am Sonntag, 24. Juli, zu den Spuren dieses Arbeiterwiderstandes.

Bürozeiten von Dr. Bernhard Schmidt im Neuen Rathaus, Meerstraße 2: donnerstags von 15.30 bis 17.30 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 0 28 41 / 201-728 oder per Email an Bernhard.Schmidt@Moers.de.
Anmeldung zur Stadtführung bei der Stadtinfo, Homberger Straße 4 (Königlicher Hof), Telefon 0 28 41 / 88 22 6-0.

Kontakt zur Pressestelle

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