Dokumentationsstelle erinnert an 100 Jahre freie Wahlen

Pressemitteilung vom 11.01.2019

Ausschnitt aus einer Tageszeitung von 1919
Auffallend waren die nahezu
täglichen Großanzeigen der
bürgerlichen und konservativen
Parteien in der Tageszeitung.
(Quelle: Stadtarchiv Moers)

Vor genau 100 Jahren wurde im gesamten Deutschen Reich und somit auch in der Grafenstadt zum ersten Mal frei gewählt. Dr. Bernhard Schmidt von der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Moers hat zu diesem Anlass einige interessante Informationen zusammengestellt. Die Quelle dafür bieten alte Zeitungsausgaben aus dem Moerser Stadtarchiv.

Damals konnten die Moerserinnen und Moerser erstmals in allgemeiner, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts wählen. Jeder, der das 20. Lebensjahr vollendet hatte, bekam das aktive und passive Wahlrecht. Damit durften auch zum ersten Mal Frauen und Soldaten wählen und gewählt werden. Die Reichsversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte hatte sich Mitte Dezember 1918 in Berlin für die Form der parlamentarischen Demokratie entschieden.

Gewählt wurde am 19. Januar 1919 zunächst die verfassungsgebende Nationalversammlung der neu zu gründenden Republik. Diese tagte dann nicht in der Hauptstadt, sondern in der kleinen Residenzstadt Weimar. In Berlin fanden noch Straßenkämpfe gegen die Spartakisten statt, die eine Räterepublik errichten wollten.

Konservative warnen vor Chaos und Kommunismus

Das Wahlergebnis zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung fiel für die SPD in der Kreisstadt Moers ernüchternd aus: Sie erhielt zwar mit 4.236 Stimmen die relative Mehrheit von 48,3 Prozent, musste sich damit aber dem Bürgerblock der katholischen Zentrumspartei (15,9 Prozent), der konservativen Deutschen Volkspartei (14,9 Prozent), der konservativ reaktionären Deutsch-Nationalen Volkspartei (12,1 Prozent) und der rechtsliberalen Deutschen Demokratischen Partei (8,8 Prozent) geschlagen geben. Die konservativen Parteien warnten in dem kurzen Wahlkampf vor dem Chaos und einem Sowjetkommunismus.

Die in Moers starken evangelischen Verbände rufen offen zur Wahl der Deutsch-Nationalen Volkspartei und zum Erhalt der Konfessionsschule auf. Diese Partei tagte im evangelischen Gemeindehaus in der Bankstraße. Bürgermeister Dr. Eckert von der Deutschen Volkspartei, 1917 noch kaiserlich von oben eingesetzt, konnte angesichts der insgesamt bürgerlich-rechten Mehrheit problemlos im Amt bleiben. Schon im Dezember desselben Jahres wurde er bei der ersten Stadtratswahl bestätigt werden und konnte Bürgermeister bis tief in die NS-Zeit bleiben.

Protestantisch geprägte Grafschaft

Als unverhältnismäßig stark in der noch immer protestantisch geprägten Grafschaft erwies sich die Deutsch-Nationale Volkspartei, die die Republik ablehnte, in Kapellen und Repelen-Baerl (später Rheinkamp). In Neukirchen erreicht sie sogar 61,2 Prozent. Mit Wahlergebnissen von zum Teil von mehr als 50 Prozent siegte hingegen die Zentrumspartei im katholischen Norden des Kreises - von Camp über Rheinberg bis Xanten.

Landrat Günther van Endert, nur wenige Monate später gewählt, wird sich später vor allem auf diese Mehrheiten stützen können. 1933 wurde er dann aus dem Amt geworfen. Bereits 11 Monate später, bei der ersten freien Gemeindewahl in Moers am 14. Dezember 1919, zeichnete sich auch hier bereits die spätere Radikalisierung der Weimarer Republik ab: Deutsch-Nationale Volkspartei und Deutsche Volkspartei brachten es zusammen auf 28,4 Prozent, gefolgt von 26,2 Prozent den linken Unabhängigen Sozialdemokraten (der späteren KPD). Die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands erhielt nur 20 Prozent der Stimmen.

Zeitungsartikel zum Wahlergebnis im Kreise Mörs vom 21.01.2019
So stellte sich das Wahlergebnis 1919 im damaligen Kreis Mörs dar. (Quelle: Stadtarchiv Moers)

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