Privates Fotoalbum dokumentiert Moerser Geschichte

09.12.2019

Foto von der Moerser Synagoge unmittelbar nach der Pogromnacht
Das Foto von Wilhelm Schink
zeigt die Moerser Synagoge
unmittelbar nach der Pogrom-
nacht vom 9./10. November 1939.
(Foto: privat)

Durch ein privat gespendetes Fotoalbum kann das Grafschafter Museum einen bedeutenden Teil der Moerser Geschichte nachvollziehbar machen. Vor 81 Jahren wurden in der sogenannten „Reichskristallnacht" am 9./10. November 1938 in ganz Deutschland jüdische Geschäfte, Wohnungen und Synagogen demoliert, geschändet und teilweise in Brand gesetzt - auch in Moers. „Allerdings gab es bisher keine Bildzeugnisse, die die Ereignisse hier dokumentierten", erläutert Museumsleiterin Diana Finkele.

Bei der Auswertung eines Fotoalbums von Wilhelm Schink, das sein Enkel Jochen Schink dem Grafschafter Museum zunächst leihweise übergeben hatte, hat die Museumsleiterin ein interessantes Fotodokument entdeckt: Es zeigt die Fassade der geschändeten Moerser Synagoge in der Friedrichstraße. Die eindeutige Identifikation des Fotos war mit der Hilfe von Hans-Helmut Eickschen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit möglich. Auf dem aktuell entdeckten Foto ist die Situation unmittelbar nach den Ausschreitungen zu sehen. Die Türen und Fenster der Synagoge sind mit Brettern vernagelt und über einer antisemitischen Zeichnung ist die Aufschrift „Der Talmudstall ist für immer geschlossen".

Foto künftig vergrößert im Landratsamt zu sehen

Dass das Foto die Moerser Synagoge zeigt, konnte nur durch Recherchen ermittelt werden. Unter anderen half ein anderes Motiv mit den jüdischen Moerser Bürger Kurt Moses und Albert Steinmann vor dem Gotteshaus dabei. „Das respektable Gebäude in der Innenstadt zeigte, dass Juden in Moerser angekommen waren", erklärt Hans-Helmut Eickschen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers. Mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler und den Nationalsozialisten begann aber schrittweise die Ausgrenzung bis hin zu den Deportationen und Ermordungen.

„Die Pogromnacht wurde von der NS-Propaganda als spontaner Volkszorn inszeniert, der sich angeblich auf das Attentat von Herschel Grynszpan auf den Diplomaten Ernst vom Rath in Paris bezog", so Finkele weiter. In Moers wurden in dem Zuge Häuser und jüdische Geschäfte in der Innenstadt beschädigt. Die Waren lagen zum Teil auf der Straße. Plünderungen waren zwar verboten, kamen aber teilweise vor. In der Synagoge schändeten SA-Leute Kultgegenstände und verbrannten die Torah-Rollen. Das Foto nach den Ereignissen ist künftig vergrößert in der Ausstellung im Alten Landratsamt zu sehen.

Diana Finkele, Jochen Schink und Hans-Helmut Eickschen mit einem Fotoalbum und der Vergrößerung eines Fotos
Haben gemeinsam ein wichtiges Dokument der Moerser Zeitgeschichte gefunden: Museumsleiterin
Diana Finkele, Spender Jochen Schink und Hans-Helmut Eickschen von der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers (v.l.). (Foto: pst)