Neun weitere Stolpersteine in Moers

05.10.2020

Wer bereits über eines der Messingquadrate auf Moerser Fußwegen „gestolpert" ist, kennt sie schon: die Stolpersteine zum Andenken an Opfer des Nationalsozialismus. Am Mittwoch, 7. Oktober, kommen zu den bisherigen 101 Stolpersteinen 9 weitere dazu. Sie erinnern an die Opfer der Krankenmorde während des Hitler-Regimes. Der Künstler Gunter Demnig verlegt von 13 bis 16 Uhr an 6 Stellen die Gedenksteine. Bürgermeister Christoph Fleischhauer eröffnet die Verlegung an der ersten Station für Gustav Grünewald, an der Homberger Straße 342. Mit dabei sind außerdem Schülerinnen und Schüler aus ganz Moers, die sich mit eigenen kreativen Beiträgen einbringen. Zu dieser Station kommen auch zwei Urenkelinnen des Opfers.

Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender des Vereins „Erinnern für die Zukunft", betont: „Wir sind sehr froh, dass bei der Verlegung dieses Jahr wieder Nachfahren dabei sind. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Angehörige der Opfer zu finden."  Sein Verein hat die Verlegung gemeinsam mit der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers" organisiert. Vorstandsmitglied Heidi Nüchter-Blömecke hat in diesem Jahr Steine für die Familie Issacson ausgesucht: „Die Eltern und ihre beiden Kinder wurden verfolgt, entrechtet, gedemütigt und sind letztlich aus Moers geflohen."

Wassersuppen, damit das Sterben nicht so auffällt

Bei den ersten Stolpersteinverlegungen seit 2013 wurden in besonderer Weise Opfer ausgewählt, die dem politisch organisierten Widerstand angehörten. In den letzten Jahren und zukünftig werden zunehmend die Euthanasie-Opfer in den Blick genommen - von ihnen gibt es aktuellen Schätzungen zufolge über 300 im Altkreis Moers. Euthanasie bezeichnet die systematische Ermordung von Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. „Diese Menschen waren angeblich erbkrank. Man ließ sie verhungern. Damit das Sterben nicht so auffiel, hat man ihnen Wassersuppen gegeben", erzählt Rita von Vangerow-Hauffe, Vorstandsmitglied im Verein „Erinnern für die Zukunft". An 5 dieser Opfer wird mit den neuen Moerser Stolpersteinen gedacht. Bisher finanzieren Spenden aus der Bevölkerung die Stolpersteinverlegungen. Unterstützer sind außerdem das Stadtarchiv und ENNI.

Interessierte sind herzlich eingeladen, sich durch eine Spende an zukünftigen Verlegungen zu beteiligen. Die Kosten für einen Stolperstein betragen 120 Euro. Spendenkonto: Erinnern für die Zukunft e.V. IBAN: DE96 3545 0000 1138 0033 12 oder Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers e.V. IBAN: DE03 3545 0000 1224 0286 60

 

4 Personen stehen vor dem Eingang des Alten Landratsamtes Moers
Dr. Bernhard Schmidt (Vorsitzender des Vereins „Erinnern für die Zukunft"),
Heidi Nüchter-Blömecke („Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit")
sowie Rita von Vangerow-Hauffe und Renate Irle (beide „Erinnern für die Zukunft")
haben die Stolpersteinverlegung organisiert (v.l.). (Foto: pst)