Moers schließt mit „Kinderheldin“ die Hebammenlücke

07.11.2019

Samstagabend, das Neugeborene schreit und lässt sich schlecht beruhigen. Die Eltern sind besorgt, die Hebamme betreut gerade eine Geburt. Und nun? Abwarten oder sofort ins Krankenhaus? In Moers gibt es ab Januar eine weitere Alternative: „Kinderheldin" kontaktieren! Die Stadt und das Start-up-Unternehmen aus Berlin haben eine Vereinbarung geschlossen, wodurch der digitale Service für alle „neuen" Moerser Eltern kostenlos ist. „Wir freuen uns, dass wir im Rahmen von ‚Frühen Hilfen und Prävention' so eine Lücke in der Versorgung schließen können", erklärte Bürgermeister Christoph Fleischhauer bei der Vorstellung des Angebots. „Es deckt einen zusätzlichen Kanal ab und entspricht somit auch dem Zeitgeist." Statt einer nicht selten verstörenden Suche bei „Dr. Google" bekommen Eltern hier fachkundigen Rat von erfahrenen Hebammen. „Kinderheldin" ist somit eine Ergänzung zur klassischen Hebammenversorgung. Der digitale Service bietet täglich von 7 bis 22 Uhr eine Live-Beratung, 365 Tage im Jahr.

Kostenlos und flächendeckend

Vor allem Frauen, die sich erst spät bei einer Hebamme melden, sehr abgelegen wohnen oder deren errechneter Termin in Ferien- oder Feiertagsnähe liegt, finden häufig keine Hebamme. „Obwohl der ‚Horstmannshof' in Moers seit 2018 eine offene Hebammensprechstunde anbietet, bleiben weiterhin viele Mütter und Väter unversorgt", weiß Annette Rosanowski, die Präventionsbeauftragte im Moerser Jugendamt. Diese Lücke schließt die Stadt mit „Kinderheldin". Möglich wird die Übernahme der Kosten in der zweijährigen Pilotphase durch die Unterstützung der Volksbank Niederrhein und des Vereins „Bewegen hilft". „Wir wollen in erster Linie diejenigen erreichen, die sich 9,90 Euro pro Beratung nicht leisten können", schildert der Vorsitzende Guido Lohmann. „Wir sind stolz, dieses Projekt in den kommenden zwei Jahren begleiten zu dürfen."

Live-Chat, Telefonat oder Video-Call

„Wir wollen in erster Linie eine Orientierung geben, von der frühen Phase der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit", erklärt „Kinderheldin"-Gründer Dr. Paul Hadrossek. Persönlich und individuell beantworten examinierte Hebammen Fragen im Live-Chat, persönlichen Telefonat oder Video-Call. Und das zu allen Themen - von Schwangerschaftsbeschwerden über Babypflege und Stillen bis zum Schlafen. Eltern oder den betreuenden Hebammen entstehen dadurch keine Nachteile. Alle Leistungen können weiterhin vollumfänglich mit der Krankenkasse abgerechnet werden. „Kinderheldin" kommt übrigens zum richtigen Zeitpunkt: Die Geburtenzahlen in Moers stiegen zuletzt auf rund 1.000 pro Jahr. „Über das Projekt ‚Kinderzukunft' gemeinsam mit beiden Krankenhäusern und die Babybegrüßungsbesuche erreichen wir alle Mütter, die in Moers gebären", versichert Annette Rosanowski. Dort erhalten sie Gutschein-Codes für zunächst drei Beratungen.

Infos bei den Begrüßungsbesuchen

Eine Besonderheit dieser Kooperation sieht Vera Breuer, Leiterin des Fachbereichs Jugend, in der Kooperation zwischen Jugend- und Gesundheitshilfe. „Das Zusammenkommen beider Bereiche ist eher ungewöhnlich, sprechen sie doch unterschiedliche Sprachen. Da mussten wir erst einmal dolmetschen." Und jetzt beherrschen beide Partner eine neue „Fremdsprache". Ganz zur Freude von Stephan Caniels, im Jugendamt für „Frühe Hilfen" verantwortlich: „Wir können so das etablierte und gut funktionierende Netzwerk und die Präventionskette in Moers ausbauen."

 Auf dem Foto ist eine Dame mit kurzen brauen Haaren zu sehen. Sie trägt ein weißes Oberteil und telefoniert. Auf dem Tisch vor ihr steht ein Laptop.
„Kinderheldin"-Hebamme Nicole Höhmann im Einsatz:
Per Telefon berät sie eine besorgte Mutter.
(Foto: Kinderheldin)