Karikaturen beleuchten Anfänge der Demokratie

09.12.2019

„Darüber lacht die Republik - Friedrich Ebert und ‚seine' Reichskanzler in der Karikatur" ist das Thema der neuen Ausstellung im Grafschafter Museum im Moerser Schloss (Kastell 9). In Kooperation mit der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte präsentiert sie eine Auswahl von rund 70 Karikaturen, die Friedrich Ebert und die von ihm ernannten Kanzler ins Visier nehmen: die SPD-Politiker Philipp Scheidemann, Gustav Bauer und Hermann Müller, von der Zentrumspartei Constantin Fehrenbach, Joseph Wirth und Wilhelm Marx, der DVP-Vorsitzende Gustav Stresemann sowie die parteilosen Wilhelm Cuno und Hans Luther.

Die Darstellung der Spitzenpolitiker der Weimarer Republik reicht von harmlos-lustig bis zu zutiefst verleumderisch. „Den Hintergrund bilden die Weimarer Verfassung und der Versailler Vertrag. Diejenigen, die ihn unterschrieben haben, wurden damals diffamiert. Die Kanzler waren nur sehr kurz im Amt. Es war eine politisch instabile Zeit", erläutert Dr. Michael Braun von der „Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte".

Kinoabende und Führungen im Rahmenprogramm

In zum Teil drastischen Bildern belegen die Karikaturen den Hass auf politischen Gegner und die demokratische Elite der Weimarer Republik. Sie greifen nicht nur Reichspräsident und Reichskanzler an, sondern auch das von diesen verkörperte demokratische System. So spiegeln die Zeichnungen die Gespaltenheit der Weimarer Republik wider. „Karikaturen sind eine wichtige Form der Meinungsäußerung und verraten uns viel über politische Stimmungen einer Zeit. An den gezeigten Karikaturen lässt sich zumeist gut ablesen, ob der Karikaturist der Weimarer Republik und ihren Repräsentanten positiv oder negativ gegenüberstand. Auch die politische Zuspitzung wird offensichtlich, wenn beispielsweise Friedrich Ebert als „fettes Schwein" dargestellt wird", erklärt Museumsleiterin Diana Finkele.

Die Ausstellung begleitet die verlängerte Sonderausstellung „Wählen und Wühlen. Frauen und Demokratiebewegung am Niederrhein vor 100 Jahren". Eine chauvinistische wirkende Karikatur ist auch in beiden zu sehen: Das Titelbild der Zeitschrift Kladderadatsch vom 19. Januar 1919 mit dem Namen „Damenwahl". Es zeigt anlässlich der Einführung des Frauenwahlrechts eine attraktive Dame, die sich nicht zwischen den (Tanz-)Kandidaten entscheiden soll.

„Darüber lacht die Republik" ist bis zum 23. Februar zu sehen. Im Rahmenprogramm gibt es Führungen und Kinoabende im Alten Landratsamt. Öffnungszeiten des Grafschafter Museums: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr. Weitere Informationen zur Ausstellung, auch in den Flyern des Museums.

 

Bei dem Bild handelt es sich um den Ausschnitt eines Fotos auf dem die Museumsleitering Diana Finkele und die Volontärin Lisa Lerschformann zu sehen. Beide stehen neben einem Aufsteller einer Karikatur, die an Hanns Dieter Hüsch erinnert. Neben Frau Finkele steht Doktor Michael Braun von der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte und neben Frau Merschformann steht Bujar Shala von der Stiftung. Hinter Herrn Doktor Braun hängt ein der Stiftung mit einem Bild von Friedrich Ebert. Auf dem Boden vor dem Aufsteller sind bunte Ostereier zu sehen. Einige sind schwarz-rot-gold bemalt und einige sind schwarz-weiß-rot angemalt.
Freuen sich über den Start der Ausstellung „Darüber
lacht die Republik" im Grafschafter Museum: Dr. Michael
Braun (Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte),
Museumsleiterin Diana Finkele, Lisa Merschformann
(Volontärin Grafschafter Museum) und Bujar Shala
(Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte) (v.l.).
(Foto: pst)