Jugendkongress: Leben zwischen Offenheit und Ausgrenzung

28.11.2019

Bomben, Granaten, Verletzte, Tote, Verlust der Mutter, wochenlang auf der Flucht, Verlust des Vaters und schließlich ein Ankommen in Moers mit neuer Hoffnung - die Syrerin Mayada Day beeindruckte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 11. Moerser Jugendkongresses auf vielfältige Weise. Sie berichtete von ihrer eigenen Flucht, der mit einem 33-tägigen Fußmarsch endete.

Mit „Refugees welcome?! Leben zwischen Offenheit und Ausgrenzung" hat die Veranstaltung eine im Vergleich zu den Vorjahren etwas andere Seite des übergeordneten Themas „Überwindung von Rechtsextremismus und Förderung von Demokratie" beleuchtet. Die medial inszenierte „Flüchtlings-Krise" im Jahr 2015 markierte einen Wandel für Gesellschaft und Politik und stellte diese vor neue Herausforderungen. Statt Offenheit erfahren Geflüchtete oft Misstrauen und Fremdenfeindlichkeit. Rechtspopulistische Parteien stürzen sich auf Vorurteile und säen Angst in den Köpfen der Bürger. Rund 150 Schülerinnen und Schüler verschiedener Moerser Schulen haben am Jugendkongress im Berufskolleg für Technik teilgenommen.

Workshop zu Hetze in sozialen Medien

Prof. Dr. Markus Ottersbach von der Technischen Hochschule Köln gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung von Zuwanderung, Fluchtgründen und -wegen sowie ihre Versorgung und Betreuung in Deutschland. Christiane Kühnrich von Attac beleuchtete anschließend u. a. die ökonomischen und kulturellen Hintergründe. Schließlich schilderte Mayada Day zum Abschluss des Vormittags eindrucksvoll ihre Kriegs- und Fluchterlebnisse.

„Der Fokus lag insbesondere im Vormittagsbereich darauf, für die Hintergründe und Ursachen von Flucht zu sensibilisieren, da dies im Rahmen von rechter Hetze oft verschwiegen bzw. verfälscht wird", erläutert Lena Brandau, Leiterin des Kinder- und Jugendbüros. „Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann selbst aktiv mit dem Thema befassen." Und zwar in Workshops, u. a. zu Hetze in sozialen Medien, Fluchthintergründen und mit einem Planspiel.

Der Moerser Jugendkongress ist ein Projekt des „Moerser Signal zur Überwindung von Rechtsextremismus und zur Förderung von Demokratie". Organisiert wird er vom städtischen Kinder- und Jugendbüro in Kooperation mit der vhs Moers - Kamp-Lintfort, dem Schlosstheater Moers und Bollwerk 107. Gefördert wird die Veranstaltung von der Volksbank Niederrhein.

Eine Frau steht mit Mikro auf der Bühne. Davor sitzen Personen.
Die Syrerin Mayada Day berichtete eindrucksvoll von ihren eigenen
Kriegs- und Fluchterlebnissen. (Foto: pst)